Konstanz nach Führung mit Schlusssirene K.o.

Foto: Peter Pisa

2.Bundesliga
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Spiele der HSG Konstanz sind in dieser Saison wirklich jedes Mal aufs Neue wahre Krimis. So auch in Eisenach. Während in Hüttenberg und gegen Hamm in den letzten Minuten noch eine furiose Aufholjagd gelang, hatte die HSG in Thüringen 42 Minuten alles im Griff, zauberte eine bärenstarke Leistung auf das Parkett und lag mit bis zu sechs Toren in Front.

Danach verloren die Gelb-Blauen allerdings völlig die Kontrolle und hatten zum Schluss auch noch ganz viel Pech bei der 26:27 (12:8)-Niederlage durch einen Buzzerbeater von ThSV-Rechtsaußen Ante Tokic.

Pech, weil die Gastgeber – bereits unter Zeitdruck zum Wurf gezwungen – in Person des starken Linkshänders aus Kroatien Sekunden zuvor am famos auftrumpfenden HSG-Schlussmann Michael Haßferter gescheitert waren. Es war die 14. Parade des Neuzugangs, darunter auch zwei Siebenmeter. Doch der Abpraller landete statt in den Fängen der HSG oder dem Toraus um Zentimeter im Seitenaus. Damit stand fest: Ein Punkt war Eisenach sicher, die zweite Chance auf den kaum mehr für möglich gehaltenen doppelten Punktgewinn war da. Mit der Schlusssirene machte es Tokic im zweiten Duell mit Haßferter dann besser, setzte die Kugel Zentimeter an den weit ausgebreiteten Armen und Beinen des Keepers vorbei ins lange Eck.

Was auf der einen Seite für große Jubelstürme sorgte, bot auf der anderen ein gruseliges Bild an absoluter Enttäuschung und Leere. Tom Wolf lag minutenlang auf dem Boden, während im Hintergrund die Eisenacher wild umher tobten. Fabian Wiederstein hämmerte auf den Hallenboden ein, Fabian Schlaich und Tim Jud liefen wie Roboter völlig geistesabwesend umher und die Bank der HSG schien wie versteinert. Ein Moment, den kein Sportler erleben möchte. Im HSG-Tor kauerte derweil Michael Haßferter, eine der Schlüsselfiguren, dass Konstanz nur Millimeter am Erfolg beim Mitaufsteiger vorbei geschrammt war, am Boden und hatte mit seinen Emotionen und der unfassbar großen Enttäuschung schwer zu kämpfen.

Simon Tölke musste den jungen Keeper-Kollegen trösten, der in diesem Moment wie der lautstarke HSG-Fanblock untröstlich war. Die Gemengelage in dieser bitteren Stunde: Man konnte mit dem Pech in den letzten Aktionen hadern. Und man konnte, man musste sich vor allem über Dutzende ausgelas-sene Möglichkeiten zur vorzeitigen Entscheidung ärgern. „Naiv“ nannte Daniel Eblen den Umgang seiner jungen Mannschaft mit und in diesen
Schlüsselmomenten, nachdem „wir ein richtig gutes Handballspiel gemacht haben. In der ersten Halbzeit und danach haben wir alles genau so auf den Punkt bekommen, wie wir es haben wollen.“ Konstanz sprühte vor Spielwitz und überzeugte nach den letzten beeindruckenden Vorstellungen insbeson-dere in der Defensive nun auch offensiv. Schnell, wenig, ideenreich, so waren die Gelb-Blauen nicht zu kontrollieren und nach 18 Minuten bereist auf 7:2 weggezogen. Einziger Wermutstropfen: Mit zwei Siebenmetern, die am Pfosten beziehungsweise neben dem Tor landeten, wäre gar die Sieben-Tore-Führung greifbar gewesen. Eisenach hingegen mühte sich 20 Minuten ab, bis der dritte Treffer der Partie gelang. In 20 Minuten nur zwei Gegentore sind der Beleg für die prächtig funktionierende Deckung, die Haßferter wieder ins Rollen gebracht hatte. Selbst als Eisenach mit einem 6:0-Lauf einen 15:20-Rückstand in die erste Führung der Partie gedreht hatte (21:20), begünstigt durch technische Fehler und leichte Torerfolge über den Tempogegenstoß, zeigte die junge Truppe der Gäste noch einmal eine bemerkenswerte Reaktion. Gefangen im Negativstrudel aus nachlassender Konsequenz, Cleverness und Leichtigkeit im Angriff, gepaart mit nun zahlreichen technischen Fehlern wie Fehlpässen kurz hinter der Mittellinie, ärgerlichen Offensiv-fouls oder zu harmlosen, teilweise hektischen und unvorbereiteten Abschlüssen, brach sie gegen einen nun euphorisierten Kontrahenten nicht in sich zusammen. Konstanz biss sich zurück, glich aus und traf durch Fabian Maier-Hasselmann gar zur neuerlichen 26:25-Führung. Dazu kam der Vorteil der Überzahl, nachdem Andrey Obranovic nach einem Schlag mit beiden Fäusten in den Magen von Passgeber Tom Wolf zum Duschen geschickt wurde. Das Ende des Tokic-Doppelschlages trotz numerischer Unterlegenheit ist bekannt. Völlig geknickt fehlten anschließend auch Daniel Eblen die Worte. „Der Mut ist etwas flöten gegangen“, versuchte er sich in einer Erklärung. „Und die Genauigkeit im Angriff hat dann gefehlt. Wir haben so gut Abwehr gespielt und dafür nach groben Abspielfehlern zu viele Gegenstöße kassiert. Nach dem Spielverlauf sind wir schon etwas getroffen.“

So gab es nur warme Worte, wie die von Trainerikone Sead Hasanefendic, der den Gegner lobte: „Konstanz hat sich in einem guten Licht präsentiert. Eine spielerisch sehr gute und in der ersten Halbzeit klar bessere Mannschaft, die sehr schönen Handball spielt. Mit Glück und Mit haben wir noch
zwei Punkte erreicht.“ Und an Konstanz gerichtet: „Den Weg muss man weitergehen, dann werden Punkte kommen. Daheim und auch auswärts.“

Vor dem nächsten Heimspiel am Samstag, 20 Uhr, gegen den VfL Lübeck- Schwartau zeigte Anführer Paul Kaletsch Größe in der Niederlage und analysierte treffend: „Das Spiel dürfen wir nicht verlieren. So selbstkritisch sind wir. Aber es ist schon bitter. Heute machen wir von der ersten bis zur 45. Minute das beste Spiel der Saison.“ Doch dann, als man den Sack zumachen hätte müssen, „hat es am Ende überall ein wenig gefehlt. Wir sind nicht clever genug.“ Weg sei der Mut, die Frechheit gewesen, meinte der Toptorjäger und appellierte sogleich an seine Mitspieler, nicht zu sehr zu grübeln. „Letztendlich ist es harte Arbeit und wir müssen vielleicht nur einmal in solchen Phasen ein positives Erlebnis schaffen. Wir müssen da einfach härter und cooler sein und uns ankreiden, dass wir es nicht durchziehen. Aber wir werden immer wieder neu anlaufen und neu Gas geben.“

ThSV Eisenach – HSG Konstanz 27:26 (8:12)

HSG Konstanz: Maximilian Wolf, Michael Haßferter (14 Paraden/davon 2 Siebenmeter) (Tor); Michel Stotz, Fabian Schlaich (4), Aron Czako, Matthias Hild (1), Tom Wolf (5/2), Fabian Wiederstein (2), Paul Kaletsch (5/2), Felix Krüger, Fabian Maier-Hasselmann (2), Fynn Beckmann (1), Joschua Braun (2), Tim Jud (4), Tim Keupp, Samuel Wendel. Trainer: Daniel Eblen

Zuschauer: 1568 in der Werner-Aßmann-Halle Eisenach.
Schiedsrichter: Fabian Friedel und Rick Herrmann.
Zeitstrafen: Eisenach 12 Min. und Rote Karte für Andrey Obranovic; Konstanz 8 Min
Siebenmeter: 0/2 – 4/6

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19.10.2019 19:30
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19.10.2019 20:00
2.Handball-Bundesliga, 09.Spieltag
  
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Letzte Aktualisierung: 19.10.2019 20:14:54
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