Personelle Ausfälle wiegen zu schwer

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Das war zu viel der Ausfälle: Von Anfang an ohne Sven Seidler, ab der 27. Minute ohne Josip Crnic und ab der 28. Minute auch noch ohne Jannes Hertlein hat der OHV Aurich in der ersten Runde den Aufstieg in die 3. Liga verpasst. Ohne drei ihrer Leistungsträger verlor die Mannschaft am Sonnabend das Rückspiel bei LiT Tribe Germania am Ende klar mit 28:35 Toren.

Nach einer tollen ersten Halbzeit hatte der OHV verdient 17:15 geführt. Das Hinspiel hatten die Auricher 25:24 gewonnen.

„Von Anfang an lief es schon schief“, sagte OHV-Trainer Arek Blacha. Das Spiel hatte noch gar nicht begonnen, da mussten die Auricher bereits einen Nackenschlag verarbeiten. Minuten vorher erhielten sie die Nachricht, dass es ihr Mannschaftsführer und Macher in der Abwehr, Sven Seidler, nicht, wie erhofft, zum Spiel schaffen würde. Der Bereitschaftspolizist musste kurzfristig berufsbedingt absagen. „Damit war unser ganzes Konzept gebrochen“, so Blacha.

Wie die Auricher Seidlers Ausfall aber wegsteckten, verdiente Bestnoten. Mit Jonas Schweigart in der Abwehr-Mitte, Jannes Hertlein und Christoph Groß auf den Positionen neben ihm und mit einem glänzend aufgelegten Edgars Kuksa im Tor machten die Auricher dem LiT-Team in der kleinen Halle, in der die Fans in der ersten von drei Tribünenreihen gerade mal eine Schrittlänge vom Spielfeldrand entfernt saßen, das Torewerfen schwer. Spielerisch klasse auch die Leistung der Auricher im Angriff.

„Wir sind in der ersten Halbzeit viel zu überhastet und übermotiviert aufgetreten“, sagte LiT-Trainer Daniel Gerling. Was dazu führte, dass immer mehr Härte, teils über die Grenzen des Erlaubten hinaus, ins Spiel kam, die von den Schiedsrichtern nicht unterbunden wurde. Die Auricher waren in hitziger Atmosphäre Herr des Spiels.

Die 27. Spielminute: Josip Crnic versuchte von der rechten Außenseite den Torabschluss, Linus Happel im LiT-Tor klärte, Jannes Hertlein schnappte sich den Abpraller, vergab aber freistehend die Chance zum 16:13 für den OHV. Crnic aber war bei seiner Aktion von einem LiT-Abwehrspieler im Gesicht getroffen worden und blieb am Boden liegen. Es brauchte, um zu realisieren, dass er das Bewusstsein verloren hatte. Unter ärztlichem Einsatz und verdeckt von der OHV-Fanfahne wurde Crnic nach rund zehnminütiger Behandlungspause auf der Trage unter dem Applaus aller aus der Halle gebracht und ins Krankenhaus Minden gefahren.

In einer Sekunden nach dem Vorfall genommenen Auszeit stellte Blacha seine Mannschaft auf die verbleibenden Minuten der ersten Halbzeit ein. Das Spiel ging weiter unter dem Sprechchor aus der LiT- Fanecke: „Macht sie alle, schießt sie aus der Halle.“

Aber nicht genug der zwei Ausfälle. Es kam für den OHV bis zur Pause noch dicker. Zwar traf Christoph Groß zum 16:13. Doch als Hertlein anschließend den Anwurf des LiT-Teams unglücklich behinderte, handelte er sich eine Zeitstrafe ein. Er hatte sich geduckt, um nicht vom Ball getroffen zu werden. Genau das aber passierte. Es war Hertleins dritte Zeitstrafe, gleichbedeutend mit der Roten Karte und dem Aus für dieses Spiel.

Der OHV ging mit einer 17:15-Halbzeitführung und dem Wissen, im zweiten Spielabschnitt auf drei Leistungsträger verzichten zu müssen, in die Pause.

„Wir waren bis dahin in allen Belangen unterlegen“, sagte Gerling. Er konnte sich nicht daran erinnern, dass seine Mannschaft zu dem Zeitpunkt schon einmal 17 Tore kassiert hatte.

Gerling war sich sicher, dass der OHV in seiner personellen Lage in der zweiten Halbzeit in der Abwehr offensiver agieren würde. Er brachte mit Jannis Finke einen neuen Torwart und trug Julian Knickmeier nachträglich noch in den Spielbericht ein. Die Beiden wurden zu Schlüsselpersonen im LiT-Team.

Mehrfach hatten die Auricher zu Beginn der zweiten Halbzeit die Chance, ihre Führung auszubauen, scheiterten aber an Finke. Der Gegner machte es zunächst aber nicht viel besser. Bis Mitte der zweiten Halbzeit blieb die Partie eng. Zwar sangen die LiT-Fans schon, als noch nichts entschieden war, beim 23:22 in der 45. Minute, „wir gewinnen sowieso“.

Die intensive Partie aber hatte an den Kräften der Auricher Spieler gezehrt. Es war, als hätte jemand den Stecker gezogen. Sie kassierten vier Treffer in Folge und lagen in der 48. Minute 22:26 zurück. Ohne großartige personelle Alternativen auf dem Spielfeld und nun mit Frederik Möhlmann im Tor aber konnten die Auricher nicht verhindern, dass der Gegner uneinholbar davonzog. Allen voran durch Tore von Knickmeier, der zwischen der 37. und 56. Minute zehnmal erfolgreich war.

„Wir dürfen jetzt nicht trauern über unser Spiel, sondern müssen sehen, dass wir in ein paar Tagen wieder eine vernünftige Mannschaft stellen“, sagte Blacha bei aller Enttäuschung.

Wenigstens mit einer guten Nachricht fuhren die Auricher um 21.45 Uhr ab Krankenhaus Minden nach Hause. Mit im Bus: Josip Crnic. Nach intensiven Untersuchungen mit Röntgenaufnahmen, einer Kopf-CT und der Kontrolle durch einen Kieferspezialisten stellte sich die Verletzung als nicht so schwerwiegend heraus wie es zunächst ausgesehen hatte. Nur zwei Zähne seien etwas locker, so OHV-Teammanager Ewald Meyer.